An einer Ampelkreuzung fuhren die beiden am Unfall beteiligten Fahrzeuge bei Grün ein. Das eine Fahrzeug fuhr jedenfalls nicht schneller als 50 km/h, das andere, das zuvor in die Kreuzung eingebogen war, schlich mit zehn Stundenkilometern. Die Fahrzeuge kollidierten. Das Landgericht Heidelberg entschied – sachverständig beraten -, dass den Schleicher die volle Schuld an dem Unfall trifft, weil der sich mit normaler Geschwindigkeit fortbewegende Fahrer eine Kollision mit dem langsam fahrenden Fahrzeug nicht vermeiden konnte. Es wäre nicht zu dem Unfall gekommen, wenn der Langsame mit normaler Geschwindigkeit in die Kreuzung eingebogen wäre.

Ein teurer Spaß. Der Langsame ist verurteilt worden folgende Schadensposten des Blechschadens zu zahlen:

  • Wiederbeschaffungssaufwand: 17.600,00 €
  • Kosten des Gutachtens: 1.562,47 €
  • Abschleppkosten: 425,90 €
  • Zulassungskosten etc.: 155,70 €
  • Nutzungs­ausfall: 455,00 €
  • Kosten­pau­schale: 25,00 €
  • Summe: 20.224,07 €

In § 3 Abs. 2 StVO findet sich die Bestimmung: „Ohne triftigen Grund dürfen Kraftfahrzeuge nicht so langsam fahren, dass sie den Verkehrsfluss behindern.“

Langsames Fahren kann also auch ein Bußgeld nach sich ziehen.

„Der Paragraph Drei der Straßenverkehrsordnung, der die Geschwindigkeit regelt, enthält aber auch zahlreiche Gebote zur Geschwindigkeitsreduzierung, also Umstände, die es rechtfertigen, ja teilweise gebieten, langsam zu fahren, etwa: Nebel, Regen, Schneefall, schmale Fahrbahnen oder Rücksichtnahme auf Kinder oder Ältere“, sagt Rechtsanwalt und Fachanwalt für Verkehrsrecht Rouven Walter.

Das vollständige Urteil des Landgerichts Heidelberg vom 06.10.2016 – 4 O 9/16 können Sie hier als PDF (136 KB) herunterladen:

LG Heidelberg, Urteil vom 06.10.2016 – 4 O 9/16